Konfliktmanagement in Familienunternehmen

Von Judith Girschik am 20. Januar 2018 in Allgemein, News
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Konflikte stellen eine fast alltägliche Herausforderung im geschäftlichen Alltag dar, so auch in Familienunternehmen. Konfliktpotenzial bieten etwa die Frage nach der Aufteilung der Geschäftsleitungsagenden zwischen Familienmitgliedern, den entsprechenden Gehaltspaketen oder einer geeigneten Nachfolgeregelung. Der langfristige Erfolg von Familienunternehmen hängt davon ab, ob und wie sie mit dieser Herausforderung umgehen.

Kommt es im Familienunternehmen zu Streit, sollte der Gang vor Gericht immer erst die Ultima Ratio sein: Ein Zivilprozess ist ein für die Konfliktparteien kostspieliges Unterfangen und ist üblicherweise von langer Dauer. Darüber hinaus führt ein Gerichtsverfahren in vielen Fällen zu Resultaten, die den langfristigen wirtschaftlichen und persönlichen Bedürfnissen der beteiligten Personen nicht entsprechen. Dazu zählt oft auch der Abbruch jeglicher Kommunikation und Beziehung zwischen den einzelnen Familienmitgliedern.

Trend zu alternativen Formen von Konfliktmanagement in Familienunternehmen

Diese Problematik trägt dazu bei, dass gerade Familienunternehmen immer mehr zu professionellen Formen von Konfliktmanagement greifen: So steigt auch das Interesse an alternativen Konfliktlösungsmethoden (Alternative Dispute Resolution) wie der Mediation: Im Rahmen einer Mediation werden Gespräche zwischen den Familienmitgliedern (Konfliktparteien) von einem unparteiischen, äquidistanten und fachkundigen Dritten (Mediator) moderiert. Diese Rahmenbedingungen und eine zügige, strukturierte „Abarbeitung“ der vorliegenden Problemfelder führen zu raschen Ergebnissen, die den Wünschen, Lebenssituationen und Bedürfnissen der betroffenen Familienmitglieder bestmöglich entsprechen.

Mediation als effektive Form alternativer Konfliktlösung (Alternative Dispute Resolution) wird nicht nur bei unternehmensübergreifenden Konflikten angewandt: Auch im Fall von zwischenbetrieblichen Konflikten, Unternehmensübernahmen, Nachfolgeplanung oder Teamkonflikten stellt (Wirtschafts-)Mediation ein effektives Mittel zur raschen und kostengünstigen Lösung von Konflikten dar.

Vermischung wirtschaftlicher Interessen und familiärer Bindung

Vor allem vor dem Hintergrund der Vermischung familiärer Bindungen und wirtschaftlicher Interessen kann professionelles Konfliktmanagement zu hervorragenden Ergebnissen führen.

Üblicherweise ist der Beziehungsaspekt in Konflikten umso größer, je näher sich die Konfliktparteien dem Privatleben nähern. Dies ist insbesondere in Familienunternehmen der Fall.

Je höher der persönliche und emotionale Anteil am Konfliktgeschehen ist, desto wirksamer wird Mediation und die damit verbundene professionelle Konfliktbearbeitung sein.

 

Konfliktdynamik in Familienunternehmen

In Unternehmen, in denen mehrere Familienmitglieder arbeiten, kommt es regelmäßige zu Überschneidungen von Privatsphäre, familiärer Bindung und wirtschaftlichen Interessen. Während das Konfliktpotenzial zwischen unterschiedlichen Persönlichkeiten mit ihren spezifischen Eigenheiten und Werthaltungen im herkömmlichen Geschäftsleben auf die berufliche Sphäre begrenzt ist, setzt sich diese Problematik im Familienunternehmen auch nach Büroschluss fort und gewinnt so mitunter erst an Fahrt.

Sowohl die Sphäre der Familie als auch die des professionellen Umfelds bergen dabei Konfliktpotential. So kann es passieren, dass aufgrund familiärer, etwa partnerschaftlicher oder verwandtschaftlicher Konflikte die berufliche Sphäre in Mitleidenschaft gezogen wird. Umgekehrt können auch ungelöste Konflikte im Unternehmen die Privatsphäre der Konfliktparteien empfindlich beeinflussen. In der Folge werden wirtschaftliche Effizienz und unternehmerische Produktivität in Mitleidenschaft gezogen.

Während die aufgezeigte Problematik in der ersten Generation familiengeführter Unternehmen zwar durchaus zu beobachten ist: Vor allem die Übergabe an die zweite bzw. dritte Generation ist mit erheblichem Konfliktpotenzial verbunden. Dasselbe gilt für den Fall, wenn ein Unternehmen nach einem solchen Generationenwechsel verkauft wird oder auch verkauft werden muss.

 

Die Folgen ungelöster Konflikte in Familienunternehmen

Bleiben Konflikte innerhalb der Unternehmerfamilie über längere Zeit ungelöst, folgen nicht selten die Entfremdung, der Beziehungsabbruch zwischen Familienmitgliedern und und letztlich die Spaltung von Familien. Im wirtschaftlich ungünstigsten Fall folgt der Untergang des Unternehmens.

Um eine derartige Entwicklung abzuwenden, hat sich professionelles Konfliktmanagement (Wirtschaftsmediation) als wirksam erwiesen:

(Wirtschafts-)Mediation bietet Familienunternehmen und deren Vertretern einen vertraulichen Prozess zur Konfliktlösung, Dabei übernimmt eine neutrale dritte Partei (Mediator oder Mediatorin) die Steuerung und Moderation der Kommunikation zwischen den Familienmitgliedern.

Fachkundige und erfahrene Mediatoren können so dabei helfen, aufkommende Konflikte strukturiert zu bewältigen Konfliktmanagement und die Probleme von und zwischen Familienmitgliedern auf ihren Kern zu reduzieren. Gelingt dies, ist die Basis für ein ein entspanntes und vertrauensvolles Gesprächsklima für alle Beteiligten gelegt.

 

Was Sie sich von einem qualifizierten Wirtschaftsmediator (Konfliktmanager) erwarten dürfen

Erfahrene Wirtschaftsmediatoren kennen die emotionalen, wirtschaftlichen und finanziellen Konflikte, zu denen es in Familienunternehmen kommen kann. Ebenso vertraut sind sie mit deren Folgen für die Kommunikation zwischen allen Beteiligten. Ein qualifizierter Wirtschaftsmediator bietet Ihnen daher zunächst Unterstützung darin, einen geordneten Prozess der Gesprächsführung zwischen den Familienmitgliedern und deren Vertretern zu etablieren.

Ziel dabei ist, die Kommunikation zwischen den Familienmitgliedern zu erleichtern und die anstehenden Probleme nachhaltig zu lösen. Darüber hinaus erhalten Sie Anleitung, wie Sie die im beschriebenen Prozess gefundenen Lösungen implementieren.

Der Mediator fungiert dabei als Übersetzer der Positionen, die von jedem Familienmitglied vertreten werden. Darüber hinaus bietet er Hilfestellung bei der Findung geeigneter künftiger Kommunikations- und Konfliktlösungsmodelle.

Der Mediator hilft Familienmitgliedern, neue, für beide Seiten zufriedenstellende Lösungen zu finden und das gegenseitige Vertrauen wiederherzustellen. In der Folge kann ein fachkundiger Mediator die Familie bei der Planung und Durchführung der Lösungsschritte begleiten und unterstützen.

Qualifizierte Wirtschaftsmediatoren verfügen oft über umfangreiche Führungserfahrung in unterschiedlichen Unternehmen und Organisationen. So verfügen sie auch über ein gutes praktisches Verständnis für unternehmerische Probleme und Aufgaben.

Vertraulichkeit: Die beim Bundesjustizministerium für Justiz registrierten Mediatoren sind darüber hinaus zur Geheimhaltung aller relevanten Gesprächsinhalte verpflichtet. So stellen sie sicher, dass der gesamte Mediationsprozess nicht an die Öffentlichkeit gelangt, somit vertraulich ist.

 

Konfliktprävention im Familienunternehmen

So einfach die Durchführung einer Mediation den Beteiligten erscheinen mag, letztlich dient die Mediation lediglich als Ultima Ratio zur Lösung eines Konflikts.

Transparenz

Um die Eskalation von Konflikten in Familienunternehmen zu vermeiden, sollten von vornherein möglichst klare vertragliche Regelungen (etwa in Bezug auf Geschäftsleitung, Geschäftsanteile, Aufgabenverteilung, Gehaltspakete und Nachfolgeregelung) getroffen werden.

Da bei der Leitung von Familienunternehmen auf lange Sicht vom Entstehen von Komplikationen ausgegangen werden muss, ist es ratsam, sich schon frühzeitig auf derartige Probleme vorzubereiten.

Für diesen Fall können wirksame Präventivmaßnahmen in Betracht gezogen werden:

Mediationsklausel

So können etwa geeignete Klauseln (Mediationsklauseln) in Gesellschaftsverträgen oder Aktionärsvereinbarungen sicherstellen, dass bestimmte Formen des Konfliktes durch eine Mediation bzw. unter Einbeziehung eines neutralen Dritten (Mediators) gelöst werden.

Eine weitergehende und effektivere Maßnahme können regelmäßige strategische Treffen der Familienmitglieder und deren Vertreter in Form eines Familienbeirats sein.

Der Familienbeirat – moderiert durch z. B. einen Mediator-  kann als Bindeglied zwischen Unternehmen und Familie und als Stimme der Familie und ihrer Mitglieder im Unternehmen dienen. So kann sichergestellt werden, dass Ziele und Werthaltungen der Familie auch in der Unternehmensführung ihre Entsprechung finden.

Sollten sich – trotz geeigneter Präventionsmaßnahmen  – Konflikte im Familienunternehmen auftun, die als unüberbrückbar erscheinen und zu eskalieren drohen, sollte die Unternehmensleitung so rasch wie möglich gegensteuern. Ein qualifizierter Mediator verfügt über die für so einen Fall nötige Außenperspektive. Er kann dabei helfen, schwelende Probleme zu identifizieren, zur Diskussion zu stellen und zügig eine Lösung im Sinne aller Beteiligten zu erarbeiten.

Autorin: Dr. Judith Girschik

Literaturquellen

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