Multiple Mediation

Von Elvira Hauska am 9. Januar 2018 in News
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Mediation ist ein Element, das heute aus der Wissenschaftslandkarte nicht mehr wegzudenken ist. Dennoch sind vor allem Mediationspraktiker oft schwer gefordert, den theoretischen Gedanken von Forschern zu folgen, die sich mit Mediation beschäftigen. Dies liegt vor allem an Begrifflichkeiten.

Wie der deutsche Sammelband Mediation, den die deutsche Kulturwissenschaftlerin Katharina Kriegel-Schmidt im Jahr 2017 herausgab, eindrucksvoll zeigt, ist Mediation mittlerweile sehr breit in der Wissenschaft verankert und hat das Potential, dieser eine neue Ordnung zu geben. Dennoch gibt es kaum etwas Verwirrenderes als die Vielfalt der Definitionen und Hintergründen, mit der Mediation in unterschiedlichen Wissenschaften und der Praxis in Verbindung gebracht wird. Es scheint daher nicht verwunderlich, dass sich der in der etablierten Wissenschaftsszene am häufigsten zitierte Artikel zum Stichwort ‚Mediation‘, der aus der Verhaltenswissenschaft stammt, mit Multipler Mediation beschäftigt. Mediationshypothesen gehen sehr häufig davon aus, dass der Einfluss einer mediierenden Variable, die in der Beziehung zwischen einer unabhängigen Variablen (x) und einer abhängigen Variablen (y)  interveniert, nur durch eine Dimension bestimmt ist. Die amerikanischen Verhaltenswissenschaftler Preacher und Hayes bezeichnen diesen Sachverhalt in dem Beitrag „Asymptotic and resampling strategies for assessing and comparing indirect effects in multiple mediator models“ in der Zeitschrift ‚Behaviour Research Methods‘ aus dem Jahr 2008 mit Simple Mediation. In Ergänzung dazu führen sie die Bezeichnung der Multiplen Mediation ein, in der mehrere mediierende Variablen berücksichtigt werden, entwickeln dazu ein Evaluierungstool und illustrieren ihre Ideen mit einem Beispiel zur Sozialisierung von neu in eine Firma eintretende Mitarbeitende – durchaus ein Szenarium, in dem auch Mediationspraktiker handeln. Wie bereits oben ausgeführt, ist der hier detaillierter beschriebene Artikel aus der Verhaltenswissenschaft laut dem renommierten Social Science Citation Index mit 9.245 Zitaten  am Ende des Jahres 2017 der mit Abstand am häufigsten in anderen anerkannten wissenschaftlichen Magazinen zitierte Artikel, der auch von Mediation handelt. Auch die nachgereihten Artikel dieser Kategorie stammen immer wieder aus der Verhaltenswissenschaft, gefolgt von Beiträgen aus der Psychologie.

Der Erfahrungsaustausch zwischen Mediationspraxis  und Wissenschaft fällt hier schwer – auch wenn gerade die Verhaltenswissenschaft einen Wissenschaftszweig darstellt, der der Grundidee der Mediation durchaus offen sein könnte. Es bleibt zu hoffen, dass es zu einem Abgleich von Wissen kommt – innerhalb von Wissensdisziplinen aber auch zwischen Theorien und deren Anwendungen. Ansonsten läuft auch die Mediation Gefahr, dass es zu gravierenden Auffassungsunterschieden zwischen Theoretikern und Praktikern kommt. Die Enzyklopädie des Friedens aus Oxford aus dem Jahr 2010 beschrieb dieses Phänomen in Bezug auf Friedensstifter – ein Phänomen, das viele durchaus auch heute noch so bezeichnen würden.

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