Sascha Ferz, Hanna Salicites (Hrsg.): Mediation in Betrieben

Von Elvira Hauska am 2. Januar 2018 in Rezension
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Der jüngste Band der Forschungsreihe Appropriate Dispute Resolution beschäftigt sich mit dem Schnittstellenbereich von Arbeit, Wirtschaft und Sprache – mit internationalen Beiträgen zur Situation in Tschechien, sowie England und Wales. Die Herausgeber stellen sich mit 17 Einzelbeiträgen dem Themenfeld, das sie selbst mit den Schlagworten Organisation, Konfliktmanagement und Führen übertiteln. Sie beziehen sich dabei auf die Vorträge der Veranstaltungsreihe „Mediation aktiv“ und der Fachtagung „Konfliktkultur in Großunternehmen“ vom 6. Juni 2016 an der Uni Graz. Mediation tritt dabei überwiegend an den Rand von Konfliktmanagementsystemen und hat primär die Rolle, in speziell definierten Situationen als Methode Einsatz zu finden.
Der erste Beitrag des Bandes stammt von dem deutschen Rechtsanwalt, Mediator und personalverantwortlichen Partner der KPMG Rechtsanwaltsgesellschaft und weist in der Einleitung auf die – mittlerweile in mediationsnahen Kreisen viel zitierten – Kernaussagen hin, das durch Konfliktmanagement Lernprozesse erheblich verkürzt werden kann und Arbeitszeit, eine entscheidende Größe bei der Berechnung von Konfliktkosten, sparen soll. Auch die folgenden Beiträge stammen weitgehend aus der Reihe der problemzentrierten Betrachtungsweise von Konflikten und deren Regelung: sie verursachen ‚unnötigen‘ Stress, sind immer wieder dysfunktional – auch wenn das nicht immer ganz eindeutig zuzuordnen ist – und erinnern uns über oft Gebühr an eher unangenehme Situationen der Berufswelt.
Die dargestellten Forschungsergebnisse zeigen sich in den Themenfeldern nahezu einig, dass die Implementierung von Konfliktmanagementsystemen oder verwandte Vorgehensweisen, wie beispielsweise Programme zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf, Whistleblower die üblichen Standardinstitutionen, wie Personalentwicklung, Schiedskommissionen, Arbeitsmedizinisches und Arbeitspsychologische Zentren, Arbeitskreise und Beratungsstellen für Gleichbehandlungsfragen, sexuelle Belästigung, Mobbing oder Frauenförderung ergänzen sollten.
Erfrischend und dem aktuellen Standard entsprechend gestalten sich die unterschiedlichen Falldarstellungen einzelner Organisationen – allen voran Berichte aus Universitäten selbst. Ernüchternd hingegen die – sehr aufschlussreiche und bislang eher selten zitierte – Abhandlung von Karin Sonnleitner, die sich der Frage der ‚Pflichtmediation bei österreichischen Lehrlingen‘ stellt, vor allem angesichts der verschwindend geringen Fallzahlen. Nachdenklich stimmt vor allem die Aussage in ihrer kritischen Betrachtung, dass „… die meisten Lehrberechtigen eine schnelle, kostensparende einvernehmliche Lösung des Lehrverhältnisses anstreben, anstatt sich auf ein verpflichtendes Mediationsverfahren einzulassen.“

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