Andreas Kreidl: Energieinfrastruktur im Spannungsfeld

Von Admin am 17. Oktober 2017 in Rezension
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Energieinfrastruktur im SpannungsfeldAls Angestellter eines Energiewirtschaftsunternehmens und dort zuständig für Projektierungen und Betriebsführung,  ist Andreas Kreidl Insider und weiß um die Schwierigkeiten die Energieinfrastrukturprojekte haben. Meist werden sie von den Bürgern als große Eingriffe in  ihre nächste Umgebung empfunden und finden deshalb selten Akzeptanz.

Deshalb  untersuchte er für die  Masterthesis  seiner Mediations – und Konfliktmanagementausbildung „Die  Perspektiven von mediativer Gesprächsführung bei Bürgerprotesten in Energieinfrastrukturprojekten“ und veröffentlichte dies als Buch im Wissenschaftlichen Verlag Berlin 2017.

Er arbeitet mit akribischer und umfassender Literaturrecherche die Punkte heraus, die Partizipation einschränken oder verhindern. Er zeigt im Vergleich zu anderen Ländern auf, dass dort Beteiligung etwas kosten darf. Er erklärt jedoch auch am sogenannten „Beteiligungsparadox“ die Schwierigkeiten, vor denen Projektwerber  oder –betreiber stehen können, wenn sie den Begriff Partizipation mit Leben erfüllen  wollen.

Daraus ergibt sich für Projektwerber die Notwendigkeit Wissen über Kommunikation, Methoden der Gesprächsführung, Wissen über Konflikte, aber auch Konfliktbearbeitung und Mediation zu haben. Er führt den Leser an die Schwierigkeiten heran, denen Projektwerber begegnen, wenn sie für  Akzeptanz  für ihr Vorhaben  werben  und meist mit Akzeptanzverweigerung belohnt werden.

Für ihn liegt der Schlüssel in Tools wie Harvard-Gesprächsführung, Gewaltfreier Kommunikation, Themenzentrierter Interaktion und einer von ihm so beschriebenen „mediativen Gesprächsführung“: Mediative Gesprächsführung ist eine sozialkommunikative Form professionellen, methodischen Handelns, welches auf den Grund- und Leitsätzen der Mediation beruht und als kooperative  und kommunikative Problembearbeitungsmethode zum Ziel hat, Spannungsfelder und Konfliktpotentiale zu verringern.“ Daraus ergibt sich für den Autor, „dass eine unterstützende Begleitung eines Kommunikationsprozesses durch professionelle Prozessbegleiter, die mit den Grundlagen und Techniken der Mediation vertraut sind, unerlässlich ist.“

Im empirischen Teil seines Buches hat der Autor seine These, dass mit mediativer Gesprächsführung bei Bürgerprotesten die Akzeptanz von Energieinfrastrukturprojekten gesteigert werden kann, untermauert.

Die Ausführungen des Theorieteiles wurden für den empirische Teil in acht sorgfältig kreierte Fragen gegossen. Ca. 100 Vertreter von Stakeholdern und Projektwerbern wurden online befragt und ihre Antworten ausgewertet.

Das Buch bietet auf seinen 215 Seiten sowohl Kommunikationskundigen und Mediatoren im Öffentlichen Bereich als auch Projektwerbern und Stakeholdern von Energieinfrastrukturprojekten einen tiefen Einblick und Erklärungen und umfassendes, wissenschaftlich untermauertes Wissen über kommunikative Vorgehensweisen  für die Akzeptanz von derartigen Projekten und ebenfalls die Möglichkeiten der Deeskalation im Konfliktfall durch mediative Gesprächsführung. (Text: Dr. Christa Fischer-Korp)